Trauer...Trauer und Verzweiflung sind das einzige was meine Gefühle im Moment auch nur ansatzweise beschreiben kann. Tot...das Wort schwirrt mir seit Stunden durch den Kopf. Es besetzt meine Gedanken und ich kann kaum noch klar denken...alles dreht sich nur um dieses eine Wort...tot.
Meine Mutter. Sie ist vor drei tagen auf Geschäftsreise gefahren und hat sich seit dem nicht mehr gemeldet. Heute morgen hat dann die Hamburger Kripo angerufen und uns gesagt, dass eine Frau die unserer Mutter sehr ähnlich sieht gefunden wurde. Tot. Ich fand schon bei ihrer Abfahrt, dass sie sich komisch benommen hat. Ihre Worte, Gesten und Umarmungen...ihre Ermahnungen, dass wir ja artig sein sollen...alles hatte so...endgültig gewirkt. Als ob sie es da schon gewusst hätte. Gewusst hatte, dass sie nicht mehr zurück kommen würde...nicht lebendig jedenfalls. Ihre Blicke, als wollte sie uns aufsaugen um jede einzelne Pore in Erinnerung zu behalten. Jede noch so kleine Bewegung von uns, hat sich in ihr Gedächnis eingebrannt. So hatte es sich angefühlt.
Es war noch nicht 100%tig sicher, dass es sich bei der Toten um unsere Mutter handelt. Ich bin mir trotzdem sicher...spürt eine Tochter soetwas nicht? Ganz tief in ihrem Herzen?
Wir sind auf dem Weg nach Hamburg, wo die Leiche in einem Hotelzimmer gefunden wurde...in einem fremden Hotelzimmer. Wir, oder besser gesagt, ich, soll die Leiche identifizieren. Ich hab jetzt schon angst davor, angst das ich recht hatte...dass sie Tot ist.
Pier, unser Fahrer meint das wir noch ungefähr eine Stunde fahren müssen. Neben mir auf der Rückbank liegt meine kleine Schwester. Sie ist vor etwa zwei Stunden eingeschlafen. Natürlich weis johanna nichts von dem Grund unserer kleinen Reise. Ich will ihr nichts erzählen bevor ich es sicher weis und selbst dann wird es schwer genug. Sie ist erst zehn. Schrecklich, dass sie ihre Mutter so früh verliert. Sie schläft so ruhig...wie ein Engel. Ihre blonden, leicht gewellten Haare, die meinen so ähneln, fallen ihr ins Gesicht und ihre blutroten Lippen sind zu einem Schmollmund der extraklasse geformt...ja, damit hatte sie mich schon zu vielen Sachen überreden können. Ein Engel eben...aber ich weis ja zu gut, dass das auch nur zustimmt , wenn sie schläft...eigentlich ist sie ein kleiner Teufel. Sie sieht aus als hätte sie gerade einen schönen Traum...vielleicht von einem unserer Famileinausflüge an den Strand...oder zu den Kreidefelsen die sie so gern sieht. Und ich muss diesen Traum zerstören. Wir werden nie wieder eine richtige Familie sein...
Mum ist wahrscheinlich tot...dieser Gedanke ist wie ein Stich durch mein Herz...unser Vater ist schon gestorbrn als Hanna noch ganz klein war und andere Verwandte ? Fehlanzeige !?! Wenn es wirklich zutreffen sollte, werden wir wohl oder übel zu Mums bestem Freund ziehen müssen. Er heißt Gordon Trümper. er kennt Mum schon eine Ewigkeit...seit der siebten Klasse um genau zu sein. Die zwei waren unzertrennlich haben sich aber in der Letzten Zeit aus den Augen verloren. Gordon hat eine neue lebensgefährtin und ist leider mit ihr nach Sachsen Anhalt gezogen.
Die Zeit zieht sich mal wieder in die Länge wie ein Kaugummi. Ich will einfach nicht mehr so trübe Gedanken haben. Würde mich jetzt so gerne Ablenken. Man hört nur die Leisen Motorengeräusche und sonst...nichts...absolute Stille. Johanna schläft und Pier ist voll auf den Verkehr konzentriert.
Den Rest der Fahrt sehe ich aus dem Fenster. Nicht besonders interessant und die Perfekte möglichkeit wieder ins Grübeln zu verfallen...schrecklich...