Hilfe - Suche - Mitglieder - Kalender
Vollansicht: Save Me Form Myself
Tokio Hotel Forum > Tokio Hotel > Tokio-Hotel FanFics
Timid-girl
Was man im Leben erlebt, prägt einen. Dabei ist völlig egal wer man ist, woher man kommt, an wen man glaubt, wie man lebt oder gelebt hat. Man entscheidet selbst wie das Leben einen prägt und muss mit den Konsequenzen leben können. Bill und sein Bruder merken nicht, wie der Erfolg sie gegen bestimmte Menschen verändert hat. Zu diesen Menschen gehört auch die kluge, schüchterne Justine, dessen Mutter nach jahrelangem Leid gestorben ist und ihre Tochter muss zum ersten Mal in ihrem jungen Leben ihr eigenes Land verlassen. Europa ist so fern für die junge Frau aus Paraguay. Moralische Konflikte, Kulturzusammenstöße, Glaubensunterschiede und einige andere Überraschungen erwarten sie.Voraussichtlicher Postingtermin wird der Sonntag sein


Titel:Save me form myself
Autor:Linkeschnidde
Rating:P16
Genre:Romanze/ Drama
Disclaimer: alle nicht realen Personen gehören mir, ich möchte nichts behaupten, nichts verherrlichen und nichts in Frage stellen, und ich verdiene auch kein Geld mit dieser Story



Ganz normale Begegnungen am JFK Airport!

Europa! Ich kann mit diesem Begriff nicht viel anfangen. Als meine kleine Cousine ungläubig den Brief eines Anwalts vor las, dachte ich eigentlich es kann nicht schlimmer kommen. Doch ich hab mich getäuscht. Europa meine neue Heimat! Das verkündete dieser Brief. Der Schicksalhafte Brief der mich zusammen zucken ließ. Endgültig, für immer war meine heile Welt zerbrochen!

Ich bin hier geboren, hier aufgewachsen, hier war ich glücklich wie nie zuvor. Ich war arm und werde es in Zukunft wohl auch sein, obwohl man sagt, dass Europa so reich ist. Aber das stört mich nicht oder hat mich nie gestört. Denn ich wurde hier von meiner Familie geliebt. Abgöttisch wurde ich von meiner Mutter geliebt. Was kann ein Kind mehr wollen? Die Tatsache, dass ich keinen Vater hatte, fand ich nie schlimm. Umso größer war meine Familie.

Meine Cousinen, meine Tanten, meine Oma und meine wenigen männlichen Verwandten. Alle aufgewachsen im selbem Dorf. Jeder war für jeden da, ohne etwas zu wollen. Familie hält nämlich zusammen! Auch und vor allem nach einem schrecklichen Verlust wie den Tod meiner Mutter.

Ich merke wie mir die Tränen in die Augen steigen und versuche wieder meinen Atem zu regulieren, aber es gelingt mir kaum. Sie fehlt mir. Ihr aufmunterndes Lächeln und ihre warme Ausstrahlung. Selbst ihr wütendes Gesicht hoff ich nie zu vergessen. Davor fürchtet sich wohl jeder Mensch am meisten. Wenn die Erinnerung beginnt zu verblassen und nichts mehr bleibt von dem geliebten Menschen. Ich frage mich oft, ob sie überlebt hätte, wenn wir genügend Geld für einen Therapie gehabt hätten. Oder ob sie einfach nur länger bei mir geblieben wäre.

Meine Mutter legte viel Wert darauf, dass ich Deutsch lerne, ich wusste bis zu ihrem Ende nicht wieso. Doch dann offenbarte sie mir die Wahrheit. Sie erzählte mir von dem schönsten Sommer ihres Lebens vor 18 Jahren. Sie ist nach Hamburg mit dem Schiff und ihrer besten Freundin. Endlich nach Europa, über den großen Ozean. Meine Mutter hat damals auf diesem Schiff gearbeitet und dann ist es passiert. Die große Liebe!

Die große, wahre Liebe, die dir nur einmal in deinem Leben begegnet. Sie war so alt wie ich jetzt, als sie sich trafen und sie meinte, sie wusste sofort, dass er der Richtige ist. Dabei spielte es für sie keine Rolle, dass er der Sohn eines erfolgreichen, reichen Unternehmers war. Sie war fasziniert von seiner Art und seinen Augen. Seinen strahlend blauen Augen. Alles was ihr von diesem Sommer geblieben war, war die Erinnerung und ich. Ich mit den gleichen strahlend blauen Augen und den pechschwarzen Haaren.

Ich bewundere meine Mutter, wie man sicher feststellen kann. Sie war so stark und vor allem furchtlos. Etwas was ich gerne geerbt hätte von ihr. Dafür war ich gesegnet mit ihrem Gesicht. Man hätte uns für Zwillinge halten können. Nur die Augen verrieten mich. Woher ich das wusste? Damals haben die beiden ein Foto am Eiffelturm von sich gemacht. Vielleicht ein weiterer Grund warum sie mir genommen wurde. Sie hat ein Stück ihrer Seele in diesem Foto festgehalten! Ihr eigenes bild hat sie mir vermacht und das andere hat der Mann, zu dem ich jetzt komme.

„We arrive our destination, the John F. Kennedy Airport, in 5 minutes. Please sit down!“

Erstaunt löse ich meinen Blick vom Fenster und zu den übrigen Passagieren zurück. Die Panik überkommt mich mittlerweile wieder. Ich war noch nie in einem Flugzeug. Geschweige denn, dass ich mal mit so was geflogen bin. Ich hab immer nur den Bus genommen. Nicht mal ein eigenes Auto hatten wir und jetzt gleich ein Flug über 24 Stunden.

Das Abheben war vorhin das schlimmste und deshalb bin ich davon überzeugt, dass die Landung auch nicht besser wird. Ich merke schon wie ich immer schneller atme und das Flugzeug auf den Boden zusteuert. Von wegen 5 Minuten. Jetzt ist ein Fensterplatz an den Düsen auch nicht gerade von großem Vorteil. Ich merke wie in meinem Bauch erneut das Gefühl aufkommt, dass da drin jemand Luftloopings macht. Doch im nächsten Moment ist das Gefühl schon wieder verschwunden. Zum Glück, denke ich mir und werde von der Schwerkraft in meinen Sessel gedrückt.

„Thank you for flying with Delta. Have a pleasant stay in New York!”

Ach ja, den werde ich bestimmt haben. An einem Flughafen, der vermutlich ziemlich groß ist und dazu noch mal durch den Sicherheitscheck. Ich werde mich mit meinem Orientierungssinn bestimmt verlaufen. Unsicher warte ich erstmal den ersten Ansturm auf den Ausgang ab und stehe dann auf, um ebenfalls mein Handgepäck zu holen und das Flugzeug zu verlassen.

Ich folge dem Storm der Menschenmassen vor mir und komme schließlich an der frischen Luft New Yorks an. Doch viel Zeit um mir den Flughafen genauer anzusehen, habe ich nicht. Die Menschen hinter mir schieben mich förmlich zu den Busen.

In so einem Bus werde ich wenige Minuten später zum Hauptgebäude gefahren. Ich sehe mich hilflos um, während die meisten Passagiere ihr Gepäck holen. Aber die nette Frau am Schalter beim Check-In hat mir extra gesagt, dass ich das nicht brauchen werde, sondern einfach zu Gate E9 laufen muss. Nur wo ist E9?

Ich sehe mich verzweifelt nach einem Flughaftenmitarbeiter um und entdecke schließlich eine Frau, die sympathisch wirkt.

„Where do I find Gate E9?”

“Just go straight on, upstairs and then you've got to go through the security desk and then keep a lookout for the sign, on which you can read “E”!”

“Okay thank you!”

Lächelnd bedanke ich mich und folge ihrer Beschreibung. Die Treppen hoch und entdecke sofort die Sicherheitskontrolle. Ein Junge, für ihn in viel zu großen Klamotten, steht da und wird von dem Mann mehrmals aufgefordert durch den Detector zu gehen. Ich möchte mich gerade auf die beiden zu bewegen als mir ein Mann zuruft.

"Excuse me, Miss! The security desk is closed. Would you come over here!“

Lächelnd komme ich auf den Mann zu, der mich angesprochen hat und achte nicht mehr wirklich auf meine Umwelt. Ohne großartige Probleme komme ich durch die Sicherheitskontrolle und gehe den langen Weg entlang. Am Ende dieser Einbahnstraße stehe ich vor der Möglichkeit in drei verschiedene Richtungen zu gehen.

Erstmal bleibe ich ziemlich hilflos vor den Schildern stehen und sehe mich um. Also nach links muss ich, stelle ich fest und mach mich mal gleich in die Richtung. Ich habe zwar noch 2 Stunden Wartezeit, aber die richtige Richtung kann nicht verkehrt sein. Nachdem ich auf dem Weg zum Gate auf Toilette war, komme ich an einem Getränkestand vorbei. Kurzerhand entscheide ich mich dazu von meinem letzten Dollar einen Fruchtcocktail zu kaufen.

Gut gelaunt sehe ich mich um und beobachte einzelne Menschen oder Familien, die eilig hin und her laufen, sehe aus den riesengroßen Glasfenstern die Flugzeugen landen und starten. Fasziniert von dem Ausblick erschrecke ich, als ich die Durchsage höre.

“We request the first class passengers of the flight to Hamburg to the Check-In, please!”

Die meinen damit auch mich. Meinen Flug und ich hab wegen diesem so genannten Mann, der mir bis jetzt völlig fremd ist, ein Frist Class Ticket. Auf Grund der Durchsage drehe ich um und möchte meine Tasche packen. Dabei stoße ich mit einen mir fremden Körper zusammen, dessen Besitzer viel größer ist als ich.

„Was für eine verdammte Scheiße! Ich glaub es nicht! Wie bescheuert kann man eigentlich sein?“ faucht dieser sofort los. Nicht nur, dass ich mit ihm zusammen gestoßen bin, sondern ich ungeschicktes Mädchen habe noch den Rest meines Fruchtcocktail auf sein Shirt geschüttet.

„Das war von Guess!“ stöhnt er auf und ich bemerke wie jemand hinter ihm lacht.

Ich trau mich gar nicht die sehr große Person vor mir anzusehen und mache es dann doch. Da ich schon genug angerichtet habe und ich nicht auch noch unhöflich sein möchte. Unsere Augen treffen sich und ich bemerke eine gewisse Überheblichkeit würde ich fast sagen. Augenblicklich habe ich Angst vor diesem jungen Mann mit den pechschwarzen Haaren.

„ I...i…i ich !“ stottere ich mir einen ab was von dem jungen Mann, den ich vorhin bei der Sicherheitskontrolle gesehen habe, mit einem breiten grinsend bemerkt wird. Schüchtern sehe ich auf meine Schuhe, die ich viel interessanter finde und bringe noch hervor.

„Es tut mir leid. Ich wollte das wirklich nicht!“

Die einzige Reaktion die folgt ist ein gestöhntes. „Och ne die kann Deutsch! Saki halt sie von mir fern!“

Ich hebe wieder meinen Kopf, sehe wie er abfällig eine Handbewegung macht und sich an seinen Freund wendet, der mich immer noch ansieht. Etwas weiter hinten kommt ein breiter Mann auf uns zu. Ich bin ziemlich verwirrt und sehe wohl auch so aus. Wortlos drehe ich mich weg und schüttele den Kopf. Dabei flüstere ich noch laut genug, dass er es hören kann.

„Prepotente Hombre!“

Auf Deutsch heißt es „Arroganter Mistkerl!“ Ich habe es an seinem Blick gesehen. Ich kenne solche Menschen nur zu gut. Bei mir zu Hause gab es auch solche. Jedenfalls in der Schule, die ich besucht habe. Meine Mutter ist extra hart arbeiten gegangen, damit ich auf diese Schule konnte. Eine gute Bildung war ihr sehr wichtig.

„Wie bitte?“ reißt mich eine Stimme aus meinen Gedanken. Ich höre die Überheblichkeit, das Unglauben und die kühle Härte sehr deutlich in seiner Stimme. Ich könnte mich jetzt umdrehen und ihm das noch einmal ins Gesicht sagen. Ich schätze er kann kein Spanisch. Stattdessen führe ich ungeirrt meinen Weg zu der Schlange in dem Schalter fort. Die beiden komischen Männer stellen sich ebenfalls an ausgerechnet hinter mir.

„Also, was war das vorhin?“ versucht es der andere mit dem ich nicht zusammengestoßen bin. Er klingt belustig, aber dennoch so als würde er es eh herausbekommen, weil er es gewöhnt war das sich alles nach ihm dreht. So sind nun mal reiche verwöhnte Kinder von genauso reichen und verwöhnten Eltern.

Ich merke förmlich wie mein Blut gefriert und ich wütend werde. Es gibt so viele Menschen, die arm sind und Benehmen haben. Ist es nicht ungerecht, das es auch so viele Menschen gibt, die ihren Reichtum nicht würdigen. Wütend drehe ich mich zu dem Schwarzhaarigen um, der feixend mit seinem Bruder hinter mir steht und mich überheblich angrinst. Zum ersten Mal bemerke ich zwei Jungs, die neben ihnen stehen und eigentlich nett und normal aussehen.

„Ach Miss ich kann nur stottern verrät uns was sie da geflüstert hat!“ feixt der Junge, mit dem ich zusammengestoßen bin seinem Kumpel zu und krümmt sich fast vor lachen.

„Ich hab gesagt arroganter Mistkerl!“ antworte ich und plötzlich verfinstert sich seine Miene.

„Ach und wie kommst du da drauf?“ antwortet er und auch das Grinsen aus dem Gesicht seines Kumpels ist gewichen. Ich lächele lieblos und antworte fast belustigt!

„Schau in den Spiegel und hör dich selbst reden. Wenn dir das nicht reicht, dann sollte jemand deinen abfälligen Blick, mit dem du Menschen wie mich ansiehst, aufnehmen und dir zeigen. Am besten macht das dein reicher Daddy, der dich auch so verwöhnt hat und zu dem armseligen Menschen gemacht hat, der du bist!“ beende ich meine Rede, drehe mich um und reiche der Stewardess meine Boradkarte.

nächste Kapitel kommt, wenn genug Reviews gekommen sind
Miss Russia
JA! ICH BIN DIE ERSTE! ICH BIN SOU GUT!
Das ist echt spitze! Richtig, richtig Spitze!
Mach weiter sou!
Bin schon gespannt, wie es weiter geht!
Voll gut geschrieben!
---> WEITÄÄÄÄR!^^


*fähnchen schwing*
xXxDeViLiShxXx
o_O

voll qaiL. <33

richtiq qaiL qeshrieben..

iiah iiah. mach bitte shnell weiter iiha?
amy777
Boar alta schwede!!!
rischtig, rischtig gail!!!



Bitte bitte weiter schreiben!!!!
Timid-girl
Miss Russia, xXxDeViLiShxXx & amy777@ Dankeschön wegen Kommentar und es wird jetzt regelmäßig jeden Sonntag weiter gehen. Würde mich freuen, wenn ihr auch in meine anderen Storys einmal reinschaut

Sitznachbar a la Tokio Hotel

Es ist still geworden hinter mir und die Stewardess reicht mir mein Ticket wieder. Wortlos folge ich dem Geschäftsmann vor mir und gehe durch die weiße Röhre. Ich merke langsam wieder, wie ich nervös werde und vernehme ein letztes Mal die Stimme dieses bescheuerten Kerls.

„Ich bin doch nicht arrogant oder Tom?“ fragt der seinen Kumpel ungläubig. Dieser schüttelt stark den Kopf und setzt einen Gesichtsausdruck auf der so viel heißen soll wie „Die hat doch gar keine Ahnung“! Was konnte man erwarten. Woher sollte er bitte erkennen, dass sein Freund arrogant geworden ist oder schon immer war, wenn er es doch selbst auch war oder schon immer gewesen ist. Gedankenversunken habe ich gar nicht gemerkt, dass ich schon am Flugzeugeingang stehe und die Stewardess freundlich darauf wartet, dass ich auf ihre Frage antworte.

„I’m sorry but can you repeat the question, please?“ frag ich und sie wiederholt lächelnd ihre Frage. „I would like to see your boardcard!”

Ich zeige ihr die Bordkarte und werde gebeten durch zu gehen, da mein Platz auf dem linken Gang ist. Galant mache ich mich auf den Weg und beachte die Menschen um mich herum nicht. Ich merke, wie die Verunsicherung in mir steigt, da ich mich beobachtet fühle und genau in dem Moment wo ich mein Handgepäck verfrachte, treffen sich unsere Blicke erneut. Der Junge hat mich vermutlich schon die ganze Zeit beobachtet. Diesmal sieht er mich nicht arrogant an, sondern ich würde fast sagen fasziniert. Vermutlich hat ihm noch niemand so extrovertiert und ehrlich seine Meinung gesagt. Eine Glanzleistung war das nicht gerade, weil ich mir eigentlich kein Urteil über Menschen bilden darf, die ich nicht kenne. Der erste Eindruck zählt und den hatte der Kerl mal ordentlich versaut, aber vermutlich braucht das einen Jungen wie ihn nicht zu interessieren.

Er kommt aus Deutschland und dort mögen Mädchen vielleicht dieses Verhalten. Apathisch gilt meine Beachtung ziemlich schnell wieder diesem Flugzeug und meinem Platz. Diesmal ist es deutlich luxuriöser. Der Sitzplatz gleicht einem gemütlichen Sessel und das Fenster ist deutlich breiter. Ich setzte mich und mir gegenüber sind noch zwei Plätze frei, sowie neben mir einer. Zum Glück habe ich den Fensterplatz! Ich such nach dem Gurt und verschließe diesen auch gleich. Plötzlich bemerke ich, wie sich zwei Männer mir gegenüber setzten und eine junge Frau mit blonden Haaren neben mich.


„Hallo ich bin Dunja! Du musst Bill entschuldigen es war ein harter Tag für ihn.“ stellt sich die blonde Frau vor und lächelt mich freundlich an. Dabei sucht sie den Blick des Jungen und strahlt ihn verliebt an.

„Kein Problem! Ich bin Justine!“ antworte ich ihr ehrlich. Was interessiert es mich, ob dieser Kerl jetzt einen letzten anstrengenden Urlaubstag hatte oder nicht. Ich werde ihm vermutlich nie wieder sehen. Nachdem uns die Stewardess einen Beutel mit einer Decke und anderen Utensilien ausgehändigt hat, begutachte ich jedes einzelne Teil sorgfältig. Ich bemerke die verwunderten Blicke und beschließe die Dinge, die ich größtenteils noch die gesehen, habe einfach auf meinen kleinen Abstelltisch zu manövrieren.

„Steh auf und setzt dich zu Tom!“ hör ich die schneidende, gefühlslose und kalte Stimme sprechen, die selbst bei mir eine Gänsehaut hinterlässt, die ich so schnell nicht vergessen werde. Dunja fährt erschrocken zusammen und öffnet hastig ihren Gurt. Die Stewardessen sind nicht begeistert und möchten, dass sie sich wieder setzt, doch sie flüchtet zu dem Freund des jungen Mannes, der gerade gesprochen hat. Gerade eben hat sie seinen Namen erwähnt gehabt, aber ich muss gestehen, dass ich das, was sie gesagt hat, nur halb gehört habe. Es ist doch immer das gleiche. Man will die Menschen die einem nahe stehen beschützen. Selbst wenn man weiß, dass ein anderer Recht hatte. Ich entwickele jetzt schon eine große Antipathie für ihn, nachdem Dunja sehr verschüchtert, abgezogen ist. Also wende ich meine Aufmerksamkeit wieder diesem komischen Teil mit den zwei Runden schwarzen Kreisen zu. Der Schwarzhaarige setzt sich neben mich und nachdem ich einige Minuten verzweifelt versucht habe herauszufinden was das ist was ich hier in der Hand halte, räuspert er sich laut. Ich schätze ihm gefällt es nicht, dass ich ihn nicht sofort in ein Gespräch verwickele.

„Was zum Teufel machst du da mit den Kopfhörern?“ fragt er und sieht ziemlich konfus aus.

„Kopfhörer?“ antworte ich und wende mich doch ihm zu. Diesmal bin ich mit ihm in Augenhöhe. Er hat braune Augen. Doch sie sehen glanzlos und kühl aus. Eine Spur Traurigkeit glaube ich zu erkennen. Sie ist versteckt und wird von der unnahbaren Ausstrahlung seiner Augen überschattet.

„Ja, Kopfhörer. Das was du da so ungläubig in den Händen hast. Du tust fast so als hättet du noch nie Kopfhörer gesehen.“ erwidert er.

Ich blicke auf meine Hand, in der ich diese so genannten Kopfhörer habe und sehe wieder zu ihm. „Ähm, um ehrlich zu sein stimmt das! Wozu sind die denn da?“ frag ich und der Angesprochene sieht so aus als hätte ich ihn gerade gefragt, ob er mich heiratet. Er tauscht einen irritierten Blick mit dem Mann gegenüber von sich und wendet sich dann wieder mir zu.
„Also du hast echt noch nie in deinem Leben Kopfhörer gesehen?“ fragt er ungläubig.
„Nein!“ antworte ich ehrlich. „Echt jetzt?“ fragt er erneut und kann es gar nicht fassen. „Ja!“ antworte ich gereizt und bemerke, dass sich das Flugzeug in Bewegung gesetzt hat. „Auf welchem Planten lebst du denn?“ fällt der nächste Kommentar und jetzt reicht es mir.

„Auf dem wo DU nicht lebst!“ erwidere ich zickig und nehme mir vor kein Wort mehr mit ihm zu reden. Kann ihm doch egal sein, ob ich so was schon mal gesehen habe oder nicht. Gehört hatte ich davon, aber eben noch nie besessen oder gebraucht. Auf unserer Schule stand in den Hausregeln, dass das besitzen eines Kopfhörers während der Schulzeit nicht gestattet ist.

Das Flugzeug wird immer schneller und ich spüre den leichten Druck der mich in den Sessel drückt. „Oh Gott, heilige Maria, Mutter Jesus, steh mir bei!“ flüstere ich so leise ich kann und schließe meine Augen. Ich spüre das Ziehen in meiner Magengegend, das mir verdeutlich das wir uns in der Luft befinden. „Ahhhhh!“ schrei ich etwas zu laut und halte mir gleich erschrocken die Hand vor den Mund. Das Gefühl nimmt endlich ab, zwar schleppend, aber immerhin. „So eine Angst?“ kommt der schlaue Kommentar meines Nachbarn. Doch statt zu antworten, beschließe ich aus dem Fenster zu sehen. Ich würde noch sehr lange neben dieser Person sitzen und nach dem Flug in einer mir völlig fremden Stadt sein.

Wieder einmal überkommt mich die Angst. Ich wusste nichts von meinem Vater, außer das ich seine Augen habe und das er lange nichts von mir wusste. Meine Mutter empfand das als das Beste. Wollte seinen Traum nicht zerstören. Mehr weiß ich nicht. Vielleicht hat er selbst schon Kinder, eine Ehefrau. Mir wurde ziemlich flau im Magen. Der Bildschirm vor unseren beiden Sesseln leuchtet plötzlich auf und es erscheinen drei kleine Bildchen, Aus denen man womöglich wählen kann.

„Ein bestimmter Film?“ fragt mein Nachbar und lächelt mich, wenn ich mich nicht täusche, warmherzig an.

„Ne!“ gebe ich knapp von mir und sehe erneut aus dem Fenster.

„Hör mal, wegen vorhin, es tut mir Leid. Aber können wir das nicht vergessen? Ist ja echt schrecklich, wie abweisend du bist!“ entgegnet mir der schwarzhaarige Junge und lächelt mich versöhnlich an. Also wenn er mich so ansieht, dann kommt er echt nett rüber. Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient!

„Mhhm, ich weiß nicht, wenn du deine arrogante Art sein lässt, vermutlich schon!“ antworte ich trotzdem mehr als zögerlich.

„Ich bin nicht arrogant!“ jammert er und verzieht sein Gesicht zu einem Schmollmund. Augenblicklich muss ich lächelnd.

„Nein, natürlich nicht!“ antworte ich ihm mit sehr viel Ironie und reich ihm meine Hand.

„Ich bin Justine!“ stell ich mich vor.

„Ich bin Bill!“ kommt die Antwort meines Nachbarn. Dabei ergreift er meine Hand und hinterlässt einen Kuss auf meinen Handrücken. Das Blut schießt mir förmlich in den Kopf und ich ziehe meine Hand wieder zurück.

„Was machen Sie denn in Hamburg?“ mischt sich plötzlich der Mann, der mir gegenüber sitzt, in unser Gespräch ein.

„David!“ ermahnt ihn Bill und lächelt mich wieder an.
„Vergiss ihn!“ sagt er und starrt mich an. Ich lächele ihn verständnisvoll an und wende mich David zu.

„Schon okay. Ich werde zu meinem Vater ziehen!“ antworte ich David und bemerke einen leicht verunsicherten Blick. Es kommt mir fast so vor als hätte er Angst! Nur wovor? Was sollte ich schon machen, was ihm schaden könnte.

„Wie oft waren sie schon in Deutschland? Sie sprechen ja fließend mir einem kleinen Akzent!“ stellt er die nächste Frage und nun gibt es keinen Zweifel mehr. Er hört sich mehr als misstrauisch an. „David, lass es und kümmere dich um deinen Scheiß!“ entgegnet Bill wieder so emotionslos und kalt, wie schon zuvor bei Dunja. Er ist wütend, das merkt man! „Ich will nur sicher gehen!“ verteidigt sich eben genannter und ich muss lächeln.

„Hast du dich noch nicht daran gewöhnt, dass jeder den du kennen lernst durchleuchtet wird? Ich kannte mal auch einen Sohn von einem reichen Geschäftsmann, der auf meine Schule ging und sogar einen eigenen Bodyguard hatte. Der ist sogar mit ihm aufs Klo und hat dafür gesorgt das niemand außer den beiden auf der Toilette war,“ erzähle ich ihm und muss allein bei der Erinnerung loslachen. Bill lässt das ziemlich locker stattdessen beobachtet er mich lieber.

„Was?“ frag ich verwundert.

„Das macht Saki bei mir und meinem Bruder auch. Wie kommst du darauf, dass meine Eltern Geld haben?“ fragt er und spielt an seinem Ring. Augenblicklich verschwindet das Lächeln aus meinem Gesicht und ich ziehe eine Augenbraun hoch. „Naja, du hast Urlaub in New York gemacht. Deine Klamotten sind nicht gerade von der Stange, du hast zwei Aufpasser dabei und bist schätzungsweise so alt wie ich. Da verdient man noch nicht sein eigenes Geld und wenn doch dann nicht so viel, als das du dir das alles selbst leisten könntest.“ beantworte ich seine Frage schulterzuckend. „Stimmt! Und was ist mir dir?“ fragt er. „Wie was ist mit mir?“ entgegne ich verwirrt. „Du sitzt in der ersten Klasse eines Flugzeuges, ist auch nicht alltäglich!“ erwidert er. „Ja, ich weiß auch nicht, hat sich so ergeben.“ erwidere ich verlegen, da mir wieder einmal mehr bewusst wird, dass ich hier nicht reingehöre. Das ist nicht meine Welt und ich bin nicht erwünscht. Hat man ja an David gemerkt! Eine unangenehme Stille breitet sich aus und wir bekommen unser Mittagessen. Skeptisch betrachte ich das Essen!

„Vegetarierin?“ fragt er erstaunt.

„Ähm ja... ich könnte niemals ein Tier essen!“ antworte ich verlegen.

„Das hier sieht aber auch widerlich aus!“ füg ich hinzu und betrachte mein Essen. Also Flugzeugessen wird schon einmal nicht mein Lieblingsessen. „Ja, ich hab zum Glück in New York was gegessen. Das Essen hier kann man voll vergessen!“ bestätigt mir Bill und lehnt ich erschöpft zurück. „Mhmm, stimmt wohl leider!“ erwidere ich schüchtern. Ich weiß nicht was ich sagen soll. Der Kerl ist komisch. Ich mach es mir auf meinem Sessel gemütlich und sehe mir Bill mal etwas genauer an. Er ist weiß, aber schon fast richtig blass. Ich dagegen mit meiner immer gebräunten Haut sehe neben ihm ziemlich fehl am Platz aus. Bill hebt die Augenbraun. „Was guckst du?“ fragt er verwirrt. „Nichts, nichts!“ antworte ich grinsend.

„Klar, das soll ich dir glauben!“ sagt er und sieht mich gespielt böse an. Meiner Meinung nach bleibt ihm eh keine andere Wahl. Denn wenn ich mich erst mal dazu entschlossen habe nichts zu sagen, dann blieb es auch dabei. Also strecke ich ihm frech die Zunge raus und schnapp mir seine schwarze Mütze. Ich weiß nicht genau weshalb ich mir das Recht rausnehme so zu reagieren. Ich hab einfach Lust dazu und auch wenn ich Bill nicht so einschätze, als würde er Spaß verstehen riskiere ich es. Was hab ich schon zu verlieren. Das er mir noch unsympathischer wird, als er es eh schon ist.

Ich bin definitiv in der schlechteren Position. Da er am Gang sitzt und wir dazu noch neben einander. Normalerweise würde ich jetzt wegrennen, aber jetzt musste ich mich einfach damit begnügend seine Mütze so weit wie Möglich von mir weg zu halten.

„Na warte!“ kommt nach einigen Sekunden die kämpferische Ansage von Bill, dessen schwarze Haare jetzt völlig verstrubbelt sind.

Oh, oh er öffnet seinen Sicherheitsgurt und beugt sich zu mir, um meine Hand zu ergreifen. Ich habe absolut keine Chance mit meinen kleinen Ärmchen. Mit einem Ruck zieht er mich zu sich und unsere Oberkörper prallen leicht zusammen.

„Entweder du gibst mir jetzt freiwillig die Mütze zurück oder ich muss dich Bestrafen! flüstert Bill. Er versucht dabei sehr bedrohlich zu klingen, aber scheitert kläglich. Mein Grinsen wird breiter und ich möchte ihm gerade antworten, als das Flugzeug zu wackeln beginnt.

„Oh mein Gott!“ flüstere ich und kralle mich an die Sessellehne fest. Dabei hab ich die Mütze von ihm schon längst fallen gelassen. Genauso wie das Interesse, dass ich bis eben noch hatte. Das Interesse mich mit ihm nähr zu beschäftigen, weil ich zugeben muss das mich der Junge fasziniert. Er ist so anders oder einfach nur europäisch. Vielleicht treffe ich ja viele Jungs so in Hamburg. Ich weiß es nicht und um ehrlich zu sein bin ich mir Momentan gar nicht mehr so sicher, ob ich da überhaupt ankomme.

„Hast du eine Lieblingsband?“ kommt es nach einer Weile des Schweigens wieder von meiner linken Seite. Das Flugzeug hat sich mittlerweile auch wieder beruhigt. Nur ich bin immer noch sehr angespannt. Langsam merke ich wie meine Hände schmerzen, da ich wohl oder übel einfach zu lange fest um die Lehne gefasst habe.

„Nein!“ antworte ich kurz und knapp um mich gleich wieder dem kleinen Bildschirm zu widmen. Von dem mir eine Schauspielerin entgegen lächelt. Jedoch höre ich nichts, doch es ist besser, als wenn man aus dem Fenster sieht. Nur weiße Wolken überall, dass regt dich höchsten an über dein Leben nachzudenken. Was ich gerade nicht gebrauchen kann. Ich könnte mich natürlich mit der komischen Gestalt neben mir befassen, aber das find ich auch nicht wirklich verlockend. Wie gesagt er ist sehr komisch! Obwohl ich mich frage, ob er vielleicht im falschen Körper steckt. Nein ernsthaft!

Ich kann mir gut vorstellen, dass der Junge gerne Kleider tragen würde. Oder sich sogar eine OP wünscht. Ich denke definitiv zu viel nach und jetzt hab ich ihn schon wieder zu lange angesehen, aber so was wie er ist mir einfach komplett fremd. Lasst mich prüde sein, aber so anzüglich wie er sich kleidet und mich jetzt anlächelt. Vielleicht sehe ich auch einfach nur Gespenster!

„Gefall ich dir?“ kommt probt die nächste Frage die mich jedoch jetzt völlig aus der Bahn wirft. „Ähm geht es noch!“ denk ich mir nur und zieh eine Augenbraun hoch. Das mach ich immer, wenn ich das Verhalten einer Person unangebracht finde, die Aussage einer Person unangebracht finde und ich einfach Fassungslos überrascht bin.

Wortlos stehe ich auf und würdige ihn keines Blickes. Ich suche nach der Toilette und setzte langsam meinen Weg zu dieser fort. Dabei bemerke ich nicht, dass mich jemand missbilligend mit seinen Blicken beobachtet und mir schließlich folgt.
xXxDeViLiShxXx
uiih uiih xD
hamma qeshrieben. <33

du hast echt einen hammer schreibstyle ^^

mach bitte schnell weiter iiah?
Timid-girl
Danke das ist so nett von dir wub.gif

***

Nachdem ich die Toilettentüre hinter mir schließ, spüre ich wie sich eine Hand um meinen Arm schließt. „Mitkommen!“ zischt eine wütende Frauenstimme, die ich bis dahin absolut nicht zuordnen kann, bis wir im Bereich der Stewardessen verschwunden sind. Erst dann habe ich die Möglichkeit mich umzudrehen und blicke in das wütende Gesicht von Dunja. „Was ist?“ frag ich überrascht, da gerade sie vorhin noch so unglaublich nett zu mir war. Ich hab zwar nicht viel mit ihr geredet, aber sie hat einen sehr netten Eindruck auf mich gemacht. „Lass die Finger von Bill oder ich mach dir das Leben so richtig zur Hölle!“ blafft sie mich an und sieht jetzt noch wütender aus.

„Ich hab nichts gemacht oder vor irgendwas zu machen!“ verteidige ich mich und sehe sie mitleidig an. Sie ist wohl ziemlich verliebt in diesen Kerl und lässt sich deshalb wie Dreck von ihm behandeln. Ich erinnere mich jetzt nur an die Szene von vorhin, als er sie von ihrem Platz vertrieben hat. Normalerweise würde ich ja vermuten, dass die beiden nebeneinander sitzen, wenn sie doch seine Freundin ist. Stattdessen muss sie sich zu seinem Freund setzten, der ziemlich weit weg von ihm und den beiden Männern sitzt.
„Bist du seine Freundin?“ frag ich vorsichtig und sie lächelt überheblich. „Ja das bin ich und keine nimmt ihn mir weg!“ antwortet sie. Dabei bekommt ihre Stimme wieder einen bösen Unterton. „Dann würde ich mir um meine Beziehung Sorgen machen. So wie er dich behandelt, kann ihm nicht mehr viel an dir liegen!“ sag ich und wende mich zum Gehen. Die Wahrheit tut weh, aber ich kann es nun mal auch nicht ändern. Ich schätze sie so intelligent ein, dass ihr durchaus bewusst ist, dass diese Beziehung so keine Zukunft hat, aber sie will es nicht einsehen.

Zurück an meinem Platz hält mir Bill die beiden Kopfhörer vor die Nase. Ich sehe ihn ungläubig an und er grinst wie ein kleines Kind. „Also du steckst den Stöpsel in dein linkes Ohr und den anderen in dein rechtes Ohr. Dann hast du zu dem Film auch einen Ton!“ erklärt er und deutet dabei auf die Mattscheibe. So eine geduldige Art mir etwas zu erklären, hätte ich ihm gar nicht zugetraut und so kommt es das ich einfach nur da sitze, ihn ansehe und lächle. Nachdem ich immer noch keine weitere Reaktion zeige, entschließt er sich dazu, einfach meine Haare hinter mein Ohr zu streichen. Dabei berührt er mein Gesicht für einen einzigen Moment und ich muss zugeben, ich hätte ihm eine so weiche Haut jedenfalls nicht zugetraut, da sein ganzes restliches Erscheinungsbild so kühl und unnahbar ist. Ich ertappe mich dabei mich zu fragen, ob ich ihm auch unnahbar erscheine. Die Wärme, die von seiner Hand ausgeht, reißt mich zurück in die Realität und kann die Gänsehaut, die sich auf meinem gesamten Körper gebildet hat, nicht eindämmen. Es kommt mir so vor, als würde diese ganze Situation viel länger dauern, als eigentlich nötig. Ihn lässt das alles, schätze ich, total kalt, doch mein Herz fängt an wie wild zu rasen bei jeder Bewegung die er macht und bevor er mich erneut berühren kann, möchte ich ihm die Möglichkeit verwehren. Deshalb nehme ich ihm den Kopfhörer aus der Hand, um ihn mir selbst ins Ohr zu stecken, doch dabei habe ich nicht bedacht, dass sich unsere Hände berühren. Ich zucke merklich zusammen und er sieht mich überrascht an.

Jetzt ist der passende Moment gekommen seinem Blick auszuweichen, doch bin ich auch nur ein Mensch. Menschen begehen Fehler, ich vermutlich den größten meines Lebens, denn ich senke nicht meinen Blick. Lasse zu, dass er mich mit seinen Augen durchleuchtet und komme mir vor wie ein offenes Buch, auf dessen Titel stehen könnte. „Durchschau mich!“ Dabei will ich nicht, dass mich jemand durchschaut, mich kennt und vor allem nicht, dass es jemanden gibt, den es interessiert. Ich hab gesehen, wie sie gelitten hat und auch wenn meine Mutter nie zugegeben hat, dass sie an ihn gedacht hat, habe ich es gewusst. Er hat ihr gefehlt und genau dieses Gefühl, habe ich mir geschworen, werde ich so lange wie möglich nie für jemanden, der nicht zu meiner Familie gehört, empfinden.

Was für eine Utopie, die ich da habe oder hatte. Sollte ich es doch besser wissen, immerhin bin ich kein kleines Kind mehr. Trotzdem verhalte ich mich wie eins, dass ist mir durchaus bewusst und das Lächeln. das sich aufs Bill Gesicht nun abzeichnet, verstärkt meine Sorge nur um so mehr. „Ich sehe mal nach der Stewardess!“ verkünde ich ihm und stehe erneut auf, doch diesmal, um vor ihm zu flüchten. Ich begebe mich in den hinteren Teil und bitte die Stewardess wirklich um einen Tee, weil mir auch nichts anderes im Moment eingefallen wäre. Mein Blick fällt auf das Fenster neben den Toiletten und ich blicke fasziniert einen Augenblick hinaus. Die weißen Wolken, die wie Wattebällchen aussehen, lassen das Flugzeug in ihre heile weiße Welt eintauchen, so und nicht anders kommt es mir zumindest vor.

„Entschuldigung!“ reißt mich die Stimme des Mannes, der neben David sitzt, aus meiner Gedankenwelt. „Äh ja!“ erwidere ich überrascht und erhebe mich, sodass ich gerade vor dem immer noch viel zu großem Mann stehe. Er sieht mich besorgt an und einen vorsichtigen Blick in den Durchgang des Flugzeugs von dem er gekommen ist. „Ihm wird das überhaupt nicht gefallen, aber ich will dir einen Rat geben. Halt dich fern von ihm und das ist nur zu deinem Wohl, glaub mir.“ flüstert er eindringlich und verschwindet dann in der Toilette. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass ich unerwünscht bin.

„Na wen haben wir denn da?“ fragt Bill lässig an der Wand gelehnt. „Ich hab dich gar nicht bemerkt!“ erwidere ich völlig überrascht. „Ja ich weiß, du wurdest ablenkt!“ sagt er und dabei funkeln seine Augen ziemlich bedrohlich, dass ich fast Angst bekomme. Ich senke den Kopf und möchte mich an ihm vorbei begeben, doch Bill vereitelt meinen Versuch geschickt, indem er seine Hand um meine Taille legt und mich ruckartig zu sich zieht. Erschrocken halte ich die Luft an und schließe die Augen. „Psst, das Atmen nicht vergessen!“ flüstert Bill mir in mein Ohr und streicht mir meine langen Haare geschickt hinters Ohr. „Du bist wunderschön!“ haucht er und legt seinen Kopf sanft an meine Schulter. An meinem Hals spüre ich sein Atmen stoßweise, was mir die Nackenhaare aufstellt und mein Herz zum rasen bringt. Außerdem spüre ich, wie sich mein Gesicht erhitzt und ich knallrot werde. Verschämt wende ich den Kopf nach links, doch Bill reagiert blitzschnell und umfasst mein Kinn mit seiner linken Hand. Er dreht meinen Kopf leicht zu sich und lächelt mich sanft an. „Jetzt bist du noch schöner!“ sagt er und seine rehbraunen Augen leuchten wunderschön. Mir ist bewusst, dass ich vermutlich rumstottern würde und entscheide mich deshalb lieber nichts darauf zu erwidern. Stattdessen starre ich ihn, völlig gefesselt von seinen wunderschönen Augen, an, bis mich das wütende Funkeln in seinen Augen wieder zurückholt.

„Wieso bleibst du nicht, Saki?“ höre ich ihn kühl und mit einem Hauch Missfallen sprechen. „Ich denke, ich störe hier nur!“ kommt es von eben angesprochenen und dabei wirft er mir wieder einen, ich würde fast sagen, traurigen Blick zu. „Stimmt und ich hoffe du vergisst nicht David schön Bericht abzuliefern! Sonst gibt dir dein Heerchen nichts zu fressen!“ sagt er diesmal herablassend und betrachtet Saki von oben bis unten. „Und wir wollen natürlich nicht, dass das Hündchen verhungert, oder Bruderherz!“ hör ich plötzlich einen Stimme neben mir und erblicke den Sitznachbar von Dunja. Oh Gott, die hatte ich völlig vergessen. „Ne das wäre ja ein schrecklicher Verlust!“ stimmt Bill seinem Bruder zu. Bill hatte doch eine Freundin. Warum macht er denn mir Avancen? Ich bekomme derweil nur noch am Rande mit, wie Bill seinem Bruder zustimmend auf die Schulter klopft und die beiden sich fies angrinsen. Saki hat sich davon gemacht und ich spüre plötzlich die beiden Blicke auf mir haften. Dabei sieht mich Tom belustigt an und Bill eher besorgt. „Ich glaub, sie ist fassungslos, warum sie dir schöne Augen gemacht hat, wenn sie auch mich haben kann. Jetzt siehst du mal wie Mädchen auf mich reagieren! Deshalb stellst du mir so selten welche vor oder?“ neckt er seinen Bruder und ich vermute einfach einmal, dass ich nicht mitbekommen habe, wie Bill mir seinen Bruder namentlich vorgestellt hat. Statt die Aussage seines Bruders als einen harmlosen Witz aufzufassen, taxiert mich Bill mit einem strengen Blick. „Stimmt das?“ seine Augen verlieren wieder ihren schönen Glanz und zurück kommt das Unnahbare. Er geht einen Schritt auf mich zu und ich weiche instinktiv zurück. Überrascht hebt er eine Augenbraun. „Fass mich nicht an!“ fauch ich ihn an und verlasse den Ort des Geschehens so schnell ich kann.

Zurück in meinem Sitz starre ich regungslos aus dem Fenster und bemerkte zwar wie er sich neben mich setzt, doch reagiere ich nicht. Ich bin einfach zu verwirrt von meinen Gefühlen. Ich kenne ihn doch gar nicht, also warum schafft er es in dem einen Moment mein Herz zum rasen zu bringen und im nächsten schon dafür zu Sorgen, dass ich so angewidert von seiner Unnahbarkeit bin, das ich mich am liebsten übergeben würde. Er muss nicht so sein, also warum ist er es? Hat das mit den Personen zu tun oder liegt es einfach an den gegeben Umständen? Ich mein, er hat doch eine Freundin und ich schätze nicht, dass sie sich in diesen Teil seines Ichs verliebt hat. Vermutlich ist er immer zärtlich und liebt zu ihr, wenn sie alleine sind, aber warum nur dann? Ich versteh den Kerl nicht und ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich ihn überhaupt verstehen will. Selbst wenn er liebevoll und zärtlich zu seiner Freundin ist hat er sie gerade eben nicht betrogen. Oder sagen wir besser, er wäre dabei sie zu betrügen, wenn ich mitmachen würde. Was ich sicherlich nicht machen würde, aber alleine die Tatsache, dass ob er seine Freundin betrügen würde in meiner Hand liegt, zeigt was für ein unglaublich schlechter Mensch er ist. Er heiligt indirekt die 10 Gebote nicht. Er ist zwar nicht mit Dunja verheiratet, aber im 7. Gebot geht es darum, treu zu sein, ob Frau oder Freundin ist dort vor Gott völlig gleich. Oh mein Gott, ich hab doch nicht gegen das 10. Gebot verstoßen oder? Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau/Mann. Hab ich ihn den begehrt?

„Woran denkst du?“ reißt mich Bill mit seiner Frage aus meinen Gedanken. „Warum?“ frag ich kühl und wende mich ihm nicht zu. „Du sahst gerade ziemlich geschockt aus!“ erklärt er und seine Stimme hat einen leicht besorgten Ton, falls mich mein Gehör nicht täuscht, aber wer sagt schon, dass ich raushören könnte, das Bill besorgt ist. Vermutlich bilde ich mir das auch nur zu gerne ein. Was mich wieder auf die 10. Gebote zurück bringt und speziell das 10te. „Mir geht es gut!“ antworte ich und setzt mir die Kopfhörer auf um niemanden mehr zu hören. Bill hebt eine Augenbraue, belässt die Situation dann aber so, wie sie ist. So haben wir die letzten Stunden des Flugs still nebeneinander verbracht ohne den jeweils anderen besonders zu beachten.

Ich versuche ihn völlig zu ignorieren, was mir bis zur Ankündigung des Kapitäns auch gelingt, doch dann spüre ich plötzlich, wie er sanft über meinen Handrücken streicht. Erschrocken entzieh ich ihm meine Hand und werfe ihm einen fragenden Blick zu. „Verrat mir deinen Namen!“ sagt er und seine Augen bekommen wieder diesen schönen, warmen Glanz bei dessen Anblick ich zugegeben weich werde. „Justine!“ flüstere ich, als wüsste ich, dass ich ihm nicht antworten hätte sollen. „Deinen vollständigen Name!“ sagt er und ich füge noch leiser, als davor „Martínez“ hinzu. Bill lächelt mich an, packt seinen Rucksack und eilt seinem Bruder, der als einziger noch auf ihn wartet, aus dem Flugzeug.

***
Dieses ist eine vereinfachte Darstellung unseres Foreninhaltes. Um die detaillierte Vollansicht mit Formatierung und Bildern zu betrachten, bitte hier klicken.
Invision Power Board © 2001-2008 Invision Power Services, Inc.